top of page

Persönlichkeitsentwicklung: Von der Angst, sich selbst zu begegnen

Aktualisiert: 6. März


Weinend legte ich den Telefonhörer auf. Nie wieder wollte ich mit Kunden zu tun haben! Der Typ hatte seinen ganzen Ärger an mir ausgelassen, obwohl ich nichts dafür konnte. Ich war mit dem Thema durch und entschloss mich, im Einkauf zu bleiben.


Möglichst weit weg von irgendwelchen Menschen, erst recht von Kunden.


Kurz danach stieg ich ins Familienunternehmen ein und landete, wie könnte es anders sein, nicht nur im Vertrieb, ich war über Nacht auch noch zur Führungskraft geworden. Autsch!


Sich auf Herausforderungen einlassen lohnt sich!


Das Ereignis ist schon eine Ewigkeit her und ein Beispiel dafür, dass es eine sinnfreie Angelegenheit ist, Lernerfahrungen auszuweichen und wie lohnenswert es sein kann, sich auf Herausforderungen und Ängste einzulassen.


Ja, ich hätte den Aufgaben im elterlichen Unternehmen ausweichen und mir eine andere Stelle suchen können. Aber sie rechneten mit meiner Unterstützung, und ich hätte es unfair gefunden, einfach davonzulaufen.


Also habe ich mich darauf eingelassen und am Ende die Freude an der Arbeit mit Menschen entdeckt.


Aber nicht nur das: es war ein regelrechter Wachstumsbooster für meine Persönlichkeit!


Ich bin sehr dankbar, dass ich mutig genug war, mich darauf einzulassen.


Denn ganz ehrlich: Es war kein Spaziergang!


Trotzdem möchte ich dich einladen, dich von Ängsten, Bedenken und inneren Blockaden nicht aufhalten zu lassen, sondern dich mutig und tapfer auf dein inneres Wachstum einzulassen.


Denn aus der schüchternen und ängstlichen Frau von damals wurde eine mutige und starke Persönlichkeit.


Zu verdanken habe ich das meinem Mut, immer wieder hinzuschauen und auch unangenehmen Dingen nicht auszuweichen.


Denn wem begegnen wir denn, wenn wir uns auf innere Arbeit einlassen?

Niemand anderem als uns selbst und dem, was unbewusst wirkt.


Und genau davor haben die meisten Menschen Angst. Warum eigentlich?


Die Angst, die "Büchse der Pandora" zu öffnen


Sich auf Neues einzulassen bedeutet, unbekanntes Terrain zu erobern. Wir verlassen unsere Komfortzone und damit einen vertrauten Bereich, in dem wir uns sicher fühlen - auch wenn er nicht immer angenehm ist.


Die Angst vor der Ungewissheit und das Risiko, zu scheitern, ist mit so viel Angst verbunden, dass wir lieber den Status quo aufrechterhalten - selbst wenn wir darunter leiden!


Woher kommt die Angst vor dem, was unbewusst in uns wirkt?


Wir Menschen sind seltsame Wesen. Oftmals verharren wir lieber in einer unangenehmen Situation, anstatt sie zu verändern. Dafür gibt es durchaus nachvollziehbare Gründe:


Selbstzweifel und mangelndes Vertrauen

Persönlichkeitsentwicklung ist nichts, was wir im Elternhaus oder in der Schule lernen. Wir haben keine bewussten Erfahrungen mit Veränderungen und deshalb wenig Zutrauen in uns selbst und unsere Fähigkeiten. Wenn wir uns dessen bewusst sind und verstehen, dass es eine Entdeckungsreise zu uns selbst und ein Lernweg ist, gelingt es leichter, sich darauf einzulassen.


Angst vor unbewussten Erfahrungen und unangenehmen Wahrheiten

Wenn wir uns auf inneres Wachstum einlassen, können wir mit alten unangenehmen Erfahrungen in Kontakt kommen. Sie können verdrängte Gefühle an die Oberfläche spülen, die wir ungern wiedererleben möchten. Gleichzeitig können sie, einmal ans Licht gebracht, eine große heilsame Wirkung entfalten. Wenn man das erlebt hat, wird aus Angst Vertrauen.


Angst vor Gefühlen

Die wenigsten haben gelernt, mit Gefühlen umzugehen. Wir sehnen uns nach den guten Gefühlen und versuchen, die weniger angenehmen Emotionen zu vermeiden. Denn letztere kommen meist unverhofft, intensiv und überschwemmen uns regelrecht. Vor der damit verbundenen Ohnmacht fürchten wir uns. Haben wir einmal erfahren, dass sie ihre Macht verlieren, wenn wir durch sie hindurchgehen, gewinnen wir Vertrauen in uns selbst. Ganz wichtig ist für diese Prozesse ein vertrauensvoller und sicherer Rahmen.


Verlustangst

Das Einlassen auf die Innenwelt verändert uns. Wir gewinnen einen neuen Blick auf unser Leben, unsere Haltung kann sich verändern, genauso wie unser Verhalten. Wir sehen die Welt mit anderen Augen. Das kann dazu führen, dass sich auch unser Umfeld verändert. Die Angst vor dem Verlust von Freundschaften oder familiären Bindungen kann uns an der persönlichen Entwicklung hindern.


Fazit

Mir ist sehr bewusst, dass ich kein Maßstab bin, was die innere Arbeit betrifft, denn ich bin an dieser Stelle schon immer absolut furchtlos. Es ist mir völlig egal, was mir dabei begegnet, denn ich will wissen, was unbewusst wirkt. Dem unwissend und ohnmächtig ausgeliefert zu sein ist für mich sehr viel schlimmer, als es zu beabsichtigt erleben.


Für mich ist der Weg der Persönlichkeitsentwicklung sehr lohnenswert, denn es ist mein Weg aus der Ohnmacht hin zu mehr Selbstbestimmtheit. Gleichzeitig entsteht durch die innere Arbeit Klarheit, Freiheit und Leichtigkeit. Und dafür lohnt es sich. Immer. Ich weiß es.


bottom of page